Melanies Geschichte – und warum Aufhören so schwer ist
An Silvester, kurz vor Mitternacht, beschloss Melanie: Das ist meine letzte Zigarette. Die ersten Tage waren hart, aber machbar. Doch nur wenige Tage später, am 4. Januar, siegte der Arbeitsstress – sie begleitete eine Kollegin nach draußen „nur für diese eine Zigarette“.
Es blieb nicht dabei. Es folgten Ausnahmen, Ausreden, neue Strategien: „Ich kaufe keine eigenen“, „CBD hilft beim Entzug“, „Nur Einwegzigaretten“. Schließlich war sie wieder da, wo alles begann: Zigarette in der Hand, Packung in der Tasche.
Melanies Erfahrung ist keine Ausnahme. Durchschnittlich braucht es bis zu 30 Versuche, bevor ein Rauchstopp wirklich gelingt. Obwohl mehr als die Hälfte aller Rauchenden jährlich einen neuen Anlauf nimmt, schaffen es weniger als 10 % dauerhaft. 75 % werden innerhalb von sechs Monaten rückfällig.
Das zeigt: Tabakprodukte machen hochgradig abhängig. Rund 80 % der Konsumierenden glauben, dass es ihnen psychisch und körperlich besser ginge, wenn sie aufhören würden – doch viele schaffen es trotz dieses Wissens nicht allein.
Tabakkonsum bleibt eine tödliche Bedrohung
Rauchen ist weiterhin die führende vermeidbare Todesursache weltweit – und verantwortlich für bis zu 30 % aller Krebsfälle. Besonders bedrohlich: Auch Passivrauchen erhöht das Krebsrisiko um rund ein Drittel. In Deutschland sterben jährlich mehr als 3.300 Menschen an den Folgen passiven Tabakkonsums.
Obwohl die Rauchquoten seit Jahrzehnten sinken, konsumiert noch immer über ein Viertel der Erwachsenen weltweit Tabak. Der Zusammenhang mit steigenden Krebszahlen ist eindeutig.
Was Arbeitgeber tun können: Verantwortung übernehmen, Gesundheit fördern
Der Arbeitsplatz hat enormen Einfluss auf das Gesundheitsverhalten. 60 % der Rauchenden nennen Stress am Arbeitsplatz als Hauptgrund für den Griff zur Zigarette. Ebenso viele sehen das Rauchen am Arbeitsplatz als zentrales Hindernis für einen erfolgreichen Rauchstopp.
Hier liegt eine große Chance – und Verantwortung – für Arbeitgeber. Durch gezielte Maßnahmen können sie das Risiko für Krebs reduzieren und Gesundheit fördern.
Sieben Schritte zu einem rauchfreien, krebspräventiven Arbeitsplatz
1. Rauchfreie Arbeitsplatzrichtlinien einführen
Rauchfreie Arbeitsplätze reduzieren den Tabakkonsum um fast 30 %. Sie senken nicht nur das Risiko für Rauchende, sondern schützen auch Nichtrauchende effektiv vor Passivrauch – der einzigen Möglichkeit, wirklich schadstofffreie Arbeitsumgebungen zu gewährleisten.
2. Die Kraft von Gemeinschaft und Vorbildern nutzen
Rauchverhalten wird stark vom sozialen Umfeld geprägt. Kolleg:innen, die selbst erfolgreich aufgehört haben, können Vorbilder sein und zum Durchhalten motivieren. Programme wie das „Wellbeing Ambassador“-Programm von WPO stärken diesen Peer-Support gezielt.
3. In professionelle Rauchentwöhnung investieren
Rauchstopp funktioniert selten allein. Mit Coaching steigen die Erfolgschancen um das Sechsfache. Programme wie „Tobacco Cessation Coaching“ von WPO oder „Remedy“ bieten individuelle Begleitung in einem wertschätzenden, nicht bewertenden Rahmen – genau das, was viele Betroffene brauchen.
4. Rauchstopp in ganzheitliche Gesundheitsförderung einbetten
Wer besser schläft, sich gesund ernährt und Stress aktiv bewältigt, hat bessere Chancen, dem Tabak dauerhaft zu widerstehen. Kombinierte Maßnahmen – inklusive emotionaler Unterstützung – sind daher besonders wirksam.
5. Bewusstsein für persönliche Risiken schaffen
Viele unterschätzen die Gefahren des Rauchens – gerade beim gleichzeitigen Konsum von E-Zigaretten. Gleichzeitig wissen viele nicht, wie hoch der Nutzen einer frühen Vorsorge ist. Arbeitgeber können hier durch gezielte Aufklärung zu Krebsfrüherkennung und individuellen Risikofaktoren einen Unterschied machen.
6. Flexible Strukturen für Gesundheitsvorsorge schaffen
Fast die Hälfte der Beschäftigten kann Vorsorgetermine nicht wahrnehmen – wegen Zeitmangels. Flexible Arbeitszeiten oder Zeitkontingente für Arztbesuche fördern nicht nur die Teilnahme an Früherkennungsprogrammen, sondern signalisieren auch: Gesundheit hat Priorität.
7. Psychologische Sicherheit schaffen und Belastungen reduzieren
Ein Umfeld, in dem offen über Belastungen gesprochen werden kann, fördert nicht nur mentale Gesundheit, sondern senkt auch das Rückfallrisiko bei ehemals Rauchenden. Arbeitgeber, die psychosoziale Risiken erkennen und gezielt abbauen, schaffen die Grundlage für nachhaltige Veränderung.
Wenn Prävention nicht reicht: Krebsüberlebende bei der Rückkehr unterstützen
Trotz aller Maßnahmen lassen sich Erkrankungen nicht vollständig verhindern. Umso wichtiger ist es, Krebsüberlebende bei der Rückkehr in den Berufsalltag zu begleiten – ein Schritt, der oft unterschätzt wird.
Mehr als zwei Drittel der Überlebenden kehren in ihren Beruf zurück – und brauchen dabei mehr als medizinische Freigabe: Sie brauchen ganzheitliche Begleitung.
Das Programm „Rückkehr an den Arbeitsplatz nach einer Krebserkrankung“ von WPO wurde genau dafür entwickelt. Es unterstützt sowohl betroffene Mitarbeitende als auch Führungskräfte mit:
- Individuellen Genesungsplänen
- Emotionaler und praktischer Unterstützung
- Begleitung durch spezialisierte Koordinator:innen
- Tools und Beratung für Führungskräfte
Wie CEO Alan King betont: „Heilung bedeutet mehr als überleben – sie bedeutet, wieder aufzublühen.“ Und das gelingt, wenn Rückkehr nicht als „Wiedereinstieg“, sondern als bewusste Phase der Stärkung und Neuausrichtung verstanden wird.
Fazit: Arbeitgeber als Gesundheitsförderer
Auch wenn Tabakkonsum und Krebs nicht vollständig vermeidbar sind – Arbeitgeber können viel tun, um Risiken zu reduzieren und Betroffene zu unterstützen.
Wie Dina El Helou von WPO sagt:
„Neben körperlichen Belastungen hinterlässt Krebs oft den Verlust von Selbstbild, Orientierung und seelischer Stabilität. Durch gezielte, empathische Unterstützung können Arbeitgeber dazu beitragen, dass Überlebende mit neuem Sinn und gestärkter Identität ins Leben zurückkehren.“