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  • 2 November 2023
  • 6 Monaten

Am Ende eines Burn-out: ein Erfahrungsbericht

Marie Martin

Sich von einem Burn-out zu erholen, erfordert Zeit, Wohlwollen, Unterstützung und professionelle Hilfe. Es ist kein Ereignis, von dem man sich innerhalb von ein paar Wochen erholen kann. In der Arbeitswelt hat das Phänomen des Burn-out dazu geführt, dass die traditionelle Organisation der Arbeit und des Arbeitsplatzes zunehmend in Frage gestellt wird. Sowohl auf Seiten des Arbeitsgebers als auch des Arbeitnehmers sollten Änderungen vorgenommen werden.

Wir hatten bereits in das Thema Burn-out eingeführt: Definitionen, Risikofaktoren, Behandlung und Prävention. In diesem letzten Teil berichten zwei Personen, die vom Rehabilitationsdienst „retour à un équilibre de santé et à la vie active“ (Rückkehr zu einem gesundheitlichen Gleichgewicht und ins Berufsleben) begleitet wurden, über ihr Leben nach dem Burn-out.

Der Baum des Lebens, Gustav KLIMT, 1909

Sich von einem Burn-out zu erholen, erfordert Zeit, Wohlwollen, Unterstützung und professionelle Hilfe. Es ist kein Ereignis, von dem man sich innerhalb von ein paar Wochen erholen kann. In der Arbeitswelt hat das Phänomen des Burn-out dazu geführt, dass die traditionelle Organisation der Arbeit und des Arbeitsplatzes zunehmend in Frage gestellt wird. Sowohl auf Seiten des Arbeitsgebers als auch des Arbeitnehmers sollten Änderungen vorgenommen werden.

Wir hatten bereits in das Thema Burn-out eingeführt: Definitionen, Risikofaktoren, Behandlung und Prävention. In diesem letzten Teil berichten zwei Personen, die vom Rehabilitationsdienst „retour à un équilibre de santé et à la vie active“ (Rückkehr zu einem gesundheitlichen Gleichgewicht und ins Berufsleben) begleitet wurden, über ihr Leben nach dem Burn-out.

Fragen an Frau Y, die vom WPO-Rehabilitationsdienst begleitet wurde, am Ende der Begleitung:

  • Wie hat sich Ihr Burnout geäußert?

Ich war auf der Arbeit überlastet. Ich habe meinen Beruf vor mein Privatleben gestellt. Ich hatte das Gefühl, nur zu arbeiten, ohne Anerkennung dafür zu bekommen. Im Nachhinein kann ich sagen, dass der Burn-out mir fast das Leben gerettet hat. Ich wurde mir meiner Situation bewusst: Ich hatte nur noch mein berufliches Netzwerk, keinen Raum mehr für soziale Kontakte.

  • Welche Auswirkungen hatte der Burn-out auf Ihren allgemeinen Gesundheitszustand?

Es war eine totale Erschöpfung: Ich hatte keine Kraft, keine Energie und keine Motivation mehr. Ich war an der Grenze zum Diogenes-Syndrom[1]. Ich war wie ein Zombie. Ich bin gar nicht mehr vor die Tür gegangen. Man bekommt nichts mehr hin, wenn man einen Burn-out hat. Sogar ein Spaziergang wird zur Herausforderung.

  • Was haben Sie unternommen, um aus dem Burn-out herauszukommen? Was haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen?

Um mein Gehirn wieder zu aktivieren, habe ich einen Italienischkurs besucht. Das hat mir sehr gut getan und ich habe wieder soziale Kontakte geknüpft. Ich war bei zwei Psychologen. Bei dem einen hatte ich nicht das Gefühl, dass er mich weiterbringt. Der andere hat mir bei einigen Themen geholfen, aber ich brauchte mehr: Ich brauchte Führung.

Anfang 2023 trat ich in die WPO-Rehabilitationsmaßnahme ein. Ich werde von einer Arbeitspsychologin betreut, die mir das Gefühl von Führung gibt, das ich gesucht habe: Sie treibt mich an und unterstützt mich. Seit drei Monaten besprechen wir gemeinsam Wege, wie ich mich beruflich verändern könnte.

Ich konnte von einem Post-Burn-out-Kurs profitieren, den ich als sehr wohltuend und in keinster Weise wertend empfand. Er hat mir enorm gut getan und wirklich etwas bewirkt. Ich habe tolle Menschen kennengelernt. Wir sind immer noch in Kontakt und unterstützen uns gegenseitig. Ich habe Yoga- und Entspannungskurse besucht an Arbeitsgruppen zum Thema Burn-out teilgenommen. All diese Maßnahmen haben mein Selbstvertrauen gestärkt.

Wie geht es Ihnen aktuell? Was tun Sie für sich?

Ich fühle mich besser: Das ist mein neues Ich. Ich habe wieder Motivation und Lust, Dinge zu tun: das Haus aufzuräumen, neue Dinge auszuprobieren wie zum Beispiel einen Entspannungsworkshop, zu dem ich mich gerade angemeldet habe. Ich habe das Gefühl, ich bin dabei, den Burn-out zu überwinden. Vor allem verbringe ich viel mehr Zeit mit meinen Kindern. Früher war ich immer auf der Arbeit. Ich habe Lust zu reisen, das Leben zu genießen. Ich habe ein paar neue Projekte, mache Gartenarbeit und Arbeiten in meinem Haus. Ich mache, was mir Spaß macht.

  • Wo stehen Sie heute, wenn Sie Ihren Weg aus dem Burn-out betrachten? Wie sehen Sie Ihre Zukunft?

Auf einer Skala von 1 bis 10 würde ich sagen, ich bin bei 7 oder 8. Ich habe wieder Lust auf Arbeit. Ich mache kleine Fortschritte.

Derzeit bereite ich mich darauf vor, wieder in den Beruf einzusteigen. Ich habe mehrere berufliche Projekte im Auge, von denen einige mit meinem neuen sozialen Netzwerk zusammenhängen. Ich habe mich um eine neue Stelle in meinem Unternehmen beworben und warte auf die Antwort. Während meines Burn-outs hatte ich kein Sozialleben mehr. Für die Zukunft wünsche ich mir eine Arbeit mit einer guten Work-Life-Balance, die im Einklang mit meinen Werten ist. 

  • Würden Sie gern noch etwas hinzufügen? 

Für das persönliche und berufliche Umfeld ist es immer schwer zu verstehen, wenn jemand einen Burn-out hat. Medizinische Behandlungen können unterstützend sein. Körperliche Aktivität tut sehr gut. Man sollte sich nicht schuldig fühlen, wenn man einen Burn-out hat. Man muss sich Zeit nehmen, um sich zu erholen. Man muss sich diese Zeit gönnen.

Fragen an Herrn Z, der vom WPO-Rehabilitationsdienst begleitet wurde, nach 2 Jahren Begleitung:

  • Wie haben Sie gemerkt, dass Sie einen Burn-out hatten?

Ich wollte nach 3 Wochen Urlaub wieder in den Arbeitsalltag starten. Als ich gerade losfahren wollte, brach ich plötzlich in Tränen aus. Ich habe einen Termin bei meinem Hausarzt gemacht, der 1,5 Stunden gedauert hat. Im Anschluss bin ich wieder zusammengebrochen. Er war es auch, der das Thema „Burnout“ zum ersten Mal ansprach. Er hat mich erst einmal für ein oder zwei Wochen krankgeschrieben. Erst 2019, vier Jahre später, konnte ich darüber sprechen, ohne zu weinen.

  • Wie haben Sie sich zu Beginn Ihrer Krankschreibung gefühlt? Welche Bedürfnisse hatten Sie? 

Ich war verloren, für mich war es einfach nur Müdigkeit, ich konnte es nicht realisieren. Ich brauchte Bestätigung. Es dauerte zwei Monate, bis ich das Wort Burn-out überhaupt hören wollte.  Mein Arzt drängte mich, den Kontakt zu meiner Arbeit komplett abzubrechen, ich musste mich dazu zwingen, ich dachte viel darüber nach. Drei Monate lang fühlte ich mich gegenüber meinem Team schuldig, weil ich ausfiel. Ich musste wissen, wie es für sie weiterging. Seit zwei Jahren befanden wir uns in einer Umstrukturierung; ich beschützte sie, spielte die Rolle des Blitzableiters. Ich musste gezwungen werden, loszulassen.

  • Wie haben Sie die Kraft gefunden, wieder auf die Beine zu kommen?

Es ging Schritt für Schritt. In den ersten Monaten war es kompliziert; ich habe die Ratschläge meines Arztes befolgt: rausgehen, spazieren gehen, zu Hause basteln … aber ich habe den Kopf nicht frei bekommen.

Ich hatte eine kognitive Beeinträchtigung: Schwierigkeiten mit dem Hör- und Leseverständnis. Der Arzt schlug mir eine Behandlung vor, doch ich hatte Angst vor den Auswirkungen. Er konnte mich überzeugen und verschrieb mir ein leichtes Medikament. Ich habe keine Wirkung festgestellt, aber mein Umfeld hat mich als entspannter wahrgenommen. Nach und nach fing ich an, abzuschalten. Der Vertrauensarzt der Sozialversicherung sagte mir, ich solle mir Zeit nehmen und mich um mich selbst kümmern. So würde ich Schritt für Schritt zurück ins Leben kommen. Mir wurde bewusst, dass ich Ruhe brauchte. Die Zeit verging, und ich engagierte mich in einer Elternvereinigung. Ich sah darin eine Gelegenheit, wieder ohne Druck in einer Gruppe zu funktionieren und mich selbst bei einer Aktivität auf die Probe zu stellen. Ich habe viele nette Leute kennengelernt und neue Kontakte geknüpft.

  • Wie wurden Sie während Ihrer Auszeit begleitet?

Am Anfang ging ich nur zu meinem Arzt, der mich sehr gut beraten hat. Er drängte mich, einen Psychologen aufzusuchen. Ich versuchte es, aber es lief nicht so gut. Der Arbeitsmediziner hat mir dann jemanden empfohlen. Ich habe eine Psychologin mit einer strengen und relevanten Methodik kennengelernt, mit der es gut geklappt hat.

Dann bekam ich einen Anruf von einer Koordinatorin des Rehabilitationsdienstes. Mir wurden der Interventionsrahmen und die möglichen Folgemaßnahmen erläutert. Das Prinzip der Vertraulichkeit hat mich sehr beruhigt. Ich erhielt eine spezielle körperliche Betreuung, um meinen Rücken zu entspannen: Hatha-Yoga. Ich habe gelernt, was ich tun muss, um mich zu schonen (Körperhaltungen, Bewegungen) und wann ich mich selber bremsen muss. Meine Psychologin wurde in das multidisziplinäre Team aufgenommen, um die begonnene Arbeit fortzusetzen. Ich hatte einen professionellen Berater, ebenfalls eine sehr wertvolle Begegnung, um mich auf die Rückkehr in die Arbeitswelt vorzubereiten. Diese Arbeit an mir selbst hat es mir ermöglicht, meine Funktionsweise, meine Grenzen, meine beruflichen Bedürfnisse und Bestrebungen, aber auch meine Verbindungen zu anderen zu verstehen. Ich habe die Bedeutung des beruflichen Umfelds verstanden, ich habe gelernt, mir selbst zuzuhören, mir zu vertrauen und wiederkehrende Muster zu erkennen, damit ich sie bei meiner nächsten Tätigkeit nicht wiederhole. Die psychologischen Berater brachten mir Methoden bei, um mit schwierigen Situationen umzugehen.

  • Was haben Sie aus der ganzen Sache für sich mitgenommen? Welche Strategien wenden Sie heute noch an, um für sich selbst zu sorgen?

Ich denke oft an die Analogie einer Narbe: Wenn sie verheilt ist, ist man stärker, widerstandsfähiger.

Ich habe mich für die Gründung meines eigenen Unternehmens entschieden, es gibt Höhen und Tiefen. Anfangs hatte ich sehr viel Angst. Unternehmer zu sein ist eine besondere Arbeitsweise, für die man sich selbst gut kennen muss. Ich achte darauf, dass ich Kontakte zu anderen pflege, insbesondere zu anderen Selbstständigen. Ich bin nicht isoliert; wir unterstützen uns gegenseitig: Das ist ein wichtiger Schutzfaktor. Ich wende das an, was ich gelernt habe: Pausen machen, Unterbrechungen, neue Kraft schöpfen. Ich habe meinen Terminkalender neu organisiert, um Sport einzubauen. Ich höre mehr auf mich selbst und auf meine Mitmenschen.

  • Was würden Sie einer Person raten, die an Burn-out leidet?

Als ich meinen Burn-out hatte, und in der Zeit danach habe ich viele Menschen kennengelernt. Zurzeit spreche ich oft mit einem Kollegen darüber: Wir beraten uns gegenseitig, tauschen uns über unsere Werte aus, darüber, wie wir uns gegenseitig respektieren und Grenzen setzen können.

Ich würde dieser Person raten, Gedanken an ihre Arbeit komplett abzuschalten, sich keine Deadline zu setzen, der Zeit ihren Lauf zu lassen, auf den Rat der richtigen Leute zu hören, sich begleiten zu lassen, sanften körperlichen Aktivitäten nachzugehen, sich ganz in Ruhe Zeit für sich allein zu nehmen. Ich würde ihr sagen, dass sie sich von toxischen Personen fernhalten und vor allem auf sich selbst hören und sich selbst vertrauen soll: „Wenn dir nicht danach ist, dann tu es nicht.“

Diese beiden Berichte veranschaulichen sehr gut, wie lange es dauern kann, bis ein Burn-out überwunden ist. Sie zeigen, wie wichtig es ist, an sich selbst zu arbeiten, damit sich die gleichen Szenarien in Zukunft nicht wiederholen. Vor allem ist es wichtig, ein gutes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben zu finden und stets auf sich selbst zu hören, sowohl im Berufsalltag als auch bei der Wahl des Arbeitsumfelds. Sich Unterstützung von einem multidisziplinären Team zu holen, um alle vom Burn-out betroffenen Lebensbereiche anzugehen, aber auch um die soziale und berufliche Wiedereingliederung einzuleiten und zu unterstützen, kann sehr hilfreich sein.

„Jeder Winter beherbergt in seinem Herzen einen knisternden Frühling, und hinter dem Schleier jeder Nacht zeichnet sich ein lächelnder Morgen ab.“ Khalil GIBRAN

[1] Eine Form der Verhaltensstörung, die eine Tendenz zur Anhäufung von Gegenständen, eine Vernachlässigung der Körper- und Haushaltshygiene und meist auch soziale Isolation miteinander verbindet.“frei übersetzt aus: https://www.syndrome-diogene.fr/

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